– und weitere Überlegungen zur geologischen Geschichte Deutschlands hypothetischer Natur
Eine andere Vorstellung über die Geschwindigkeit, mit der sich die Kontinente in der jüngeren Vergangenheit zeitweilig auseinander bewegt haben könnten, wäre wohl erforderlich, um eine sinnvolle Erklärung für die mögliche Aufschiebung Avalonias auf die baltische Kontinentalplatte zu finden (siehe hierzu auch Alfred Wegeners Theorie der Kontinentalverschiebung).
Hierzu betrachten wir nachfolgend zunächst das von Platon beschriebene Atlantis, welches bekanntermaßen “eine im Atlantik gelegene Insel” gewesen sein soll, mit einer nord-südlichen Ausrichtung und von einer Größe, “die ganz Libyen übertrifft”. Zu Platons Zeiten verstand man darunter noch ganz Nordafrika, ohne Ägypten und die damals bekannten Teile Vorderasiens, (vgl. Wikipedia).
Bei der Interpretation der nachstehenden Waldseemüller Weltkarte von 1507 zog der Autor zunächst das Colorado Plateau, bzw. die Four Corner Region, mit dem Monument Valley in Betracht, mit einer Ausdehnung von etwa 555 Kilometern mal 370 Kilometer (bzw. 3000 Stadien x 2000 Stadien), wie es Platon auch für Atlantis beschrieb – auch um zu bewerten, wie adäquat die Überlieferungen aus Antike und Mittelalter wohl insgesamt sein könnten, nachdem die Germania Magna Darstellung des Donnus Nikolaus Germanus und durch Gerhard Mercator vermeintlich ja nun doch eine deutlich höhere Genauigkeit aufzuweisen scheinen, als in der Moderne bislang angenommen.
Die Waldseemüllerkarte zeigt hier beispielsweise die Britischen Inseln auch (noch) in der selben Form, wie sie sich durch Ptolemäus (bzw. durch Germanus und Mercator) ebenfalls ergibt. Vermeintlich könnten die Abbildungen bzw. die Aufzeichnungen daher das gleiche oder ein sehr ähnliches Weltbild wiederspiegeln und somit womöglich gemeinsam als Grundlage einer weitergehenden Interpretation dienen.

In der Gegend des Colorado Plateaus sind auch Kalksteinvorkommen und Kupfer vorhanden, für das mystische Metall “Orichalkum” – den Römern zufolge eine Legierung aus Kupfer und Zink (Messing). Auch Elefanten- bzw. Mammutknochen wurden in den USA gefunden, von denen es laut Platon viele in der Gegend gegeben hat. Hier seien beispielsweise “La Brea Tar Pits” genannt, aus der Gegend von Los Angeles (weitere Funde aber auch in Blackwater Draw und Murray Springs).
Das Colorado Plateau jedenfalls ist durch die Subduktion der Farallon-Platte um etwa 1800 Meter bis 2500 Meter gehoben worden (zuletzt im späten Känozoikum) – und vielleicht ja somit auch der ganze nordamerikanische Kontinent, wenn der Meeresspiegel nicht als Folge eines hypothetischen Impakts kosmischer Objekte vielleicht ja ebenfalls in Gänze hätte sinken können – durch die freigesetzte thermische und auch kinetische Energie, die ein solches Ereignis mit sich bringen kann. Wie auch immer, vermutlich hätte sich das dadurch zurückweichende Meerwasser zunächst noch in umliegenden Seen, wie dem Lake Bonneville gesammelt, welcher dann aber nach und nach wahrscheinlich auf die heutige Fläche des Großen Salzsees bei Salt Lake City geschrumpft wäre. Der Osten der Vereinigten Staaten und heute zentral gelegene Teile könnten also zunächst noch unter dem Meeresspiegel gelegen haben, während die indische Kontinentalplatte auf der anderen Seite der Erde, zur gleichen Zeit möglicherweise erst noch vor ihrer Kollision mit Eurasien gestanden hat (jedenfalls der Kartendarstellung nach), wodurch auch der Himalaya vermutlich noch nicht zu solchen Höhen aufgefaltet worden wäre, wie sie in der Topografie entsprechend heute vorzufinden sind. Es könnte aber auch der nördliche Teil Indiens ebenfalls unter dem Meeresspiegel gelegen haben.
Somit hätte das historische Atlantis im Gesamten heute durchaus auch ein größerer Teil Nordamerikas gewesen sein können, beispielsweise die Rocky Mountains oder die Amerikanischen Kordilleren, die in der Vergangenheit womöglich zunächst noch wie ein ausgedehnter Inselbogen erschienen sein könnten, entsprechend der Waldseemüller Karte von oben und als Nordamerika noch viel näher an Europa lag.
Südamerika hätte sich möglicherweise auch erst viel später vom afrikanischen Kontinent losgelöst als bislang vermutet, wenn man Platons Geschichte über Atlantis für unser Gedankenspiel noch etwas ernster nimmt und die nachfolgende mittelalterliche Weltkarte des Germanus ebenfalls in die Betrachtung einbezieht, die auf der Arbeit des Ptolemaios und seiner Vorgänger in der Antike beruht. Hier sei insbesondere Marinos von Tyros genannt, der eine längliche Insel beschrieb, durch welche die bekannte Welt begrenzt wurde.
Vergleiche hierzu “Tauziehen der Kontinente” vom GFZ Potsdam:

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Kontinente seit der letzten großen Eiszeit bewegt hätten, wäre dann jedenfalls wohl ausreichend gewesen, um auch die notwendigen tektonischen Kräfte zu erklären, die kurzfristig für eine Aufschiebung Avalonias auf Baltica wohl erforderlich gewesen wären, bzw. um hier ein kosmisches Ereignis als mögliche Ursache näher in Betracht zu ziehen.
Ein solches kosmisches Ereignis an der Westküste Afrikas, könnte (entsprechend der oben stehenden Kartendarstellung) dann womöglich sogar der Auslöser der Kontinentaltrennung Süd-Amerikas von der Afrikanischen Kontinentalplatte gewesen sein – so könnte man es sich jedenfalls gut vorstellen, sollte man selbst ein Anhänger der sogenannten Erdexpansionstheorie sein. Als wichtigste Vertreter dieser gelten der deutsche Geowissenschafter Ott Christoph Hilgenberg, der ungarische Geophysiker László Egyed und der australische Geologe Samuel Warren Carey, wobei es hier sicherlich unterschiedliche Theorien gibt, die insgesamt unter diesem Begriff zusammengefasst worden sind.
Die Erdexpansionstheorie wird im wissenschaftlich-akademischen Umfeld weitestgehend gar nicht mehr vertreten, seit die Plattentektonik den Kontinentaldrift anhand von Konvektionsströmen im Erdmantel erklären kann.
An dieser Stelle sei jedoch trotzdem auf die Veröffentlichung von Allan, D.S. und Delair, J.B. verwiesen: Cataclysm!: Compelling Evidence of a Cosmic Catastrophe in 9500 B.C.→, Rochester: Inner Traditions/Bear, die hier aus Sicht des Autors ein Bindeglied darstellen könnte, bzw. für die die vorliegende Arbeit zur Neuinterpretation der Germania Magna möglicherweise auch als Argument dienen kann, sofern sich hier letztendlich ein Zusammenhang feststellen ließe.
Natürlich sollte bei jeder Interpretation auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die zu interpretierende Karte womöglich aus mehreren Teilstücken (bzw. Teilinformationen) ungenau zusammengesetzt worden sein könnte bzw., dass die Informationen über die Geografie Mitteldeutschlands und über die übrige Welt vielleicht nicht immer ganz exakt vorhanden waren, mit deren Hilfe Ptolemaios und nachfolgende Kartografen – bis ins Hochmittelalter hinein, zum Beispiel die Germania Magna beschrieben.
Dennoch gibt es klare Indizien dafür, dass sich das Landschaftsbild noch in sehr junger Zeit stärker verändert haben könnte, als bislang angenommen. Die Interpretation stellt letztendlich zunächst sicherlich nur ein hypothetisches Modell dar, das bewusst darauf basiert, die Aufzeichnungen wären weitestgehend exakt, und welches Erklärungen für eine Landschaftstransformation zu finden versucht, ohne jedoch eventuelle archäologische Funde und die tatsächlich vorzufindende geologische Situationen im Feld zunächst unmittelbar zu berücksichtigen. Hier wird im Zweifel meinerseits also von einer bisherigen Fehlinterpretation bzw. Fehldatierung ausgegangen (bspw. durch Schichtlücken verursacht, aber auch aufgrund von Bodenfließen bzw. Bodenverflüssigung).
Bei entsprechender Auslegung der Interpretation, bzw. der Kartendarstellung auf diese Weise, käme – wie bereits weiter oben, bzw. im Hauptteil angedeutet, hier beispielsweise ein Impaktereignis eines Eis-Meteoriten in Betracht (v.a. Trümmer des Halleyschen Kometen), das auch im Bereich der Tschechischen Republik stattgefunden haben könnte und das dort womöglich zum Absinken eines Teils der Lithosphäre und nachfolgend zum Aufstieg eines Plutons geführt hat (vgl. Böhmische Masse bzw. Böhmischer Pluton und “How the Colorado Plateau Formed & Rose 8,500 Feet, hier insbesondere ab Minute 2:19 min, Youtube: GeologyHub, https://www.youtube.com/watch?v=mPeHP1__tfg), vielleicht auch durch Luftdetonation eines Kometenfragments (vgl. Tunguska-Ereignis) bzw. handelt es sich möglicherweise auch um eine Intrusion im Zusammenhang mit einer großräumigen Krustendehnung aufgrund der Fernwirkung eines kosmischen Impakts – mit entsprechenden Auswirkungen unter anderem auch im Gebiet des heutigen Sachsen bis Sachsen-Anhalt (Elbezone) und im Bereich Frankens (hier im Nord-Osten aber dann vmtl. auch eine Kompression bzw. Auffaltung der Lithosphäre zwischen Erzgebirge und Thüringer Wald, siehe “Thüringisch-Fränkisch-Vogtländische Schiefergebirge“), mit der ursprünglich zu ergründenden Aufschiebung Avalonias, aber auch als mögliche Ursache für den Vogtland-Vulkanismus und die Hebung des Erzgebirges.
Die Sudete Montes auf der Germania Magna Darstellung könnten sich dann hier vielmehr auch zum Thüringer Wald hin erstrecken (die Elbe [albis fluvii] wäre entsprechend eher im Flussbett der heutigen Saale ggf. auch der Weida und/oder der Weißen Elster zu verorten, wobei letztgenannter Fluss auch wortetymologisch ganz gut mit albis [lat.] = weiß [dt.] begründet werden könnte), und die Sarmate Montes wären die Darstellung des Erzgebirgskamms, bzw. mglw. eines Proto-Erzgebirges). In diesem Fall wäre das antike Nomisterium vielleicht eher bei der heutigen Stadt Leipzig zu verorten oder etwas weiter südlich davon, in Richtung Gera und nicht im Bereich der Elbzone.
Im Vergleich der mittelalterlichen Karte mit aktuellen Satellitenaufnahmen könnte es auf der Suche nach weiteren Indizien auch gleichsam tatsächlich so erscheinen, als könnte es sich bei der kreisförmigen Struktur zwischen Osnabrück bis Cloppenburg (siehe Samtgemeinde Artland) ebenfalls um einen jüngeren Einschlagkrater handeln (vgl. auch Bramscher Pluton), zu welchem sich die gesamte Topografie Mitteldeutschlands hin orientiert, mit dem Harz und insbesondere mit dem Thüringer Wald, die wie verflüssigt (ggf. als [unterirdische)] Teilschmelze) folglich nach Nord-Westen hin gezogen oder verschoben worden sein könnten, entlang des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges – als hier eine mögliche Kraterstruktur eventuell mit nachlaufendem Gesteinsmaterial verfüllt worden ist. Der Thüringer Wald hätte dabei im Gesamten womöglich eine Veränderung der Streichrichtung (Streichrotation) von etwa 45 Grad im Uhrzeigersinn erfahren. Ebenso wie auch das Erzgebirge nun eine solche Rotation im Vergleich zur historischen Kartendarstellung aufzuweisen scheint (→ öffne Skizze 1 in neuem Tab, bzw. für ein besseres Verständnis, die mittels KI (künstliche Intelligenz) generierte, aber stärker übertriebene Darstellung eines solches Szenarios in Skizze 2→. *) wichtige Anmerkung: Es handelt sich hierbei lediglich um eine künstlerische Phantasie-Darstellung, mit der kein Anspruch auf Genauigkeit verbunden ist und welche die beschriebene Situation kurz nach einem möglichen Impaktereignis nur sehr beispielhaft und wohl sehr übertrieben aufzeigt.
Ob ein Lavafluss tatsächlich in ähnlicher Weise wie in Skizze 2 abgebildet stattgefunden hat, der dann vermutlich auch durch Tsunamis, die bis tief ins Landesinnere gereicht hätten, überschwemmt worden wäre, wird möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt an anderer Stelle beantwortet werden. Ebenso, ob und wie weit das Meer nach einem solchen Ereignis möglicherweise für längere Zeit ins Landesinnere vorgedrungen wäre. Vielleicht könnte hier auch eine größere Magmenbewegung in der tieferen Lithosphäre stattgefunden haben, durch einen in Bewegung gekommenen Mantelplume beispielsweise, der sich vielleicht nach einem möglichen Meteoriteneinschlag in der Asthenosphäre bzw. im Erdmantel durch Verdichtung gebildet und sich dann seitlich von der Einschlagstelle weg bewegt haben könnte, so dass die obere Kruste dabei eben nur teilweise aufgeschmolzen wäre.
Möglicherweise ist sie stellenweise aber sogar aufgerissen und wurde in der Folge durch nach oben steigendes Magma recht schnell wieder verfüllt. Vielleicht ist auch die Lithosphäre durch eine Krustendehnung partiell aufgeschmolzen, ebenfalls durch dann nach oben dringendes Magma. Vielleicht auch die Elbezone zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt, mit möglicherweise in der Folge aufsteigendem “Eruptivkomplex“, aber eventuell auch in Franken, bspw. mit Obermainland und Gottesgarten). Die gesamte avalonische Platte könnte dabei nach Norden hin gedehnt worden bzw. gewandert zu sein, als sei sie auf der Asthenosphäre darunter regelrecht aufgeschwommen, welche durch einen Meteoriteneinschlag vielleicht auch stärker verflüssigt worden wäre, mit der Folge, dass die genannten Gebiete in Franken möglicherweise so erst ihre heutige Ausdehnung erhalten haben.
Vielleicht ist es nur der Ungenauigkeit der antiken Aufzeichnungen geschuldet, aber auf aktuellen Satellitenaufnahmen wirkt der Harz im Vergleich zur Darstellung auf der Germania Magna Karte desweiteren auch noch um etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Ost-West Ausdehnung verkürzt und es scheint, als sei er hier nach Westen hin gewissermaßen in die Tiefe “abgetaucht”, wo die Reste seiner ursprünglichen Ausdehnung nun in Teilen noch das Weser-Leine-Bergland mit dem Alfelder Bergland bilden könnten. Ob dies ein ziemlich plötzliches Resultat eines Impaktereignisses sein könnte, oder ob hier über mehrere Monate hinweg wohl eher ein zähflüssiges, duktiles Fließen der Landschaft nach Richtung Nord-Westen hin stattgefunden hat, wird künftig wohl beantwortet werden, sollte hier ein solcher Vorgang generell erst einmal nachweisbar sein.
Vermutlich wäre bei einem Impaktereignis im Bereich des kristallinen Grundgebirges der “Karpaten” und des (Proto-)Erzgebirges auch eine SiO2-reiche rhyolithische Schmelze entstanden, wahrscheinlich auch eine mächtige Tuff-Schichtenfolge, die durch einen explosiven Vulkanismus abgelagert würde, der durch ein solches Ereignis wohl ebenfalls ausgelöst worden wäre.
Auf den explosiven Vulkanismus bezogen ein Vorgang, wie er beispielsweise auch bei der Entstehung des Versteinerten Waldes von Chemnitz so stattgefunden haben könnte, bei dem infolgedessen der bekannte Zeisigwaldtuff abgelagert wurde, welcher heute relativ oberflächennah zu Tage tritt. Ein festes Gestein, aufgrund des hohen Gehaltes an kieselsäurehaltiger Magma bzw. Pyroklastika. Auf diese Weise ist aber auch ein Zusammenhang mit der Entstehung des Rochlitzer Porphyrberges denkbar. Solche Belege jedenfalls müssten sich hier gleichermaßen also auch finden lassen, um einen impaktinduzierten Vulkanismus nachweisen zu können, der bei so einem Ereignis möglicherweise auch stattgefunden hätte.
In der Gegend von Baruth bei Bautzen (siehe hier Baruther Maar) ist im Übrigen – wie auch in der Gegend von Meißen, ein größeres Kaolinvorkommen festzustellen, das dort auch abgebaut wird (zum Beispiel im Kaoloinwerk Caminau) – als Rohstoff für die Keramikindustrie und auch das Meißner Porzellan.
Bislang wird dieses in der Regel als sehr langwieriges Verwitterungsprodukt anderer Ausgangsgesteine betrachtet, bei dem die Feldspäte innerhalb sehr langer Zeiträume entsprechend umgewandelt wurden. Möglich und für den Autor wahrscheinlicher, wäre hier jedoch durchaus auch ein Zusammenhang mit vulkanischen Prozessen – hier also möglicherweise in Zusammenhang mit dem Aufstieg dazitischer bzw. rhyolitischer Schmelzen. Vgl. SEYHAN, İsmail (2023) “DIE ENTSTEHUNG DES VULKANISCHEN KAOLINS UND DAS ANDESIT-PROBLEM→*,” Bulletin of the Mineral Research and Exploration: Vol. 1971: Iss. 76, Article 6.
In Bezug auf den Verbleib der Insel Atlantis schließt sich der Autor nun letztendlich aber trotzdem einer Interpretation an, die so weit bekannt, erstmalig in einer Veröffentlichung von François de La Mothe le Vayer (alias Jean Sarius aus Frankfurt am Main?) formuliert wurde, bzw. die auf der weiteren Ausarbeitung durch die Atlantisforscher Harry Dale Huffman und Mario Dantas beruht, welche die Ähnlichkeit von Grönland mit einer mittelalterlichen Darstellung der Atlantis-Insel festgestellt haben, die vom Universalgelehrten Athanasius Kircher (* 1602; † 1680) stammt und welche vermutlich relativ bekannt ist.
Es muss letztendlich die Frage beantwortet werden, ob Kircher womöglich Zugriff auf älteres Quellenmaterial hatte, denn es könnte hier zwar eine zufällige Ähnlichkeit zwischen Grönland und dem vermeintlichen Atlantis bestehen, denkbar wäre jedoch auch, dass die Annahme von Dantas, Huffman bzw. Le Vayer schlichtweg zutreffend ist, und dass die mystische Insel womöglich nur nach Norden wanderte.
Die betreffende Kartendarstellung ist nach Süden ausgerichtet, steht hier also auf dem Kopf:

Die erste nachhaltige europäische Präsenz in Grönland begann so weit wir heute wissen, jedenfalls um 985 n. Chr. mit der Besiedlung durch Nordmänner unter Erik dem Roten, die von Island ausging. Diese nordischen Siedlungen, bekannt als Ostsiedlung und Westsiedlung (beide an der Westküste Grönlands gelegen), bestanden über mehrere Jahrhunderte. Die Siedler betrieben Viehzucht, Jagd und trieben Handel mit Europa, wobei insbesondere Walrosselfenbein ein begehrtes Exportgut war.
Im späten Mittelalter führten jedoch verschiedene Faktoren, darunter eine deutliche Klimaverschlechterung im Zuge der Kleinen Eiszeit, der Rückgang der Nachfrage nach Walrosselfenbein und möglicherweise Konflikte mit den neu zugewanderten Thule-Inuit, zum allmählichen Niedergang der nordischen Siedlungen. Der Kontakt zu Europa brach im 15. Jahrhundert ab; die letzte schriftliche Aufzeichnung aus der nordischen Siedlung datiert aus dem Jahr 1408. Trotz des Verschwindens der Siedler blieben in Europa Geschichten und Legenden über Grönland lebendig, die oft von fantastischen und übertriebenen Vorstellungen geprägt waren.
Ab dem späten 15. und verstärkt im 16. Jahrhundert unternahmen europäische Seefahrernationen – Portugiesen, Engländer, Holländer und Dänen – Expeditionen in den Nordatlantik. Diese dienten der Suche nach der Nordwestpassage nach Asien, dem lukrativen Walfang oder der Wiederaufnahme des Kontakts mit den vermeintlich noch existierenden Nachfahren der nordischen Siedler. Diese Aktivitäten führten zu einer allmählichen Verbesserung der kartographischen Erfassung Grönlands, die jedoch lange Zeit von spekulativen und fehlerhaften Darstellungen geprägt war.
Um 1665 war die Westküste Grönlands durch die Entdeckungsreisen von Seefahrern wie John Davis und Martin Frobisher sowie durch die Aktivitäten von Walfängern bis zu einem gewissen Grad zwar bekannt und kartiert. Die stark vereiste Ostküste hingegen war kaum zugänglich und blieb weitgehend unbekannt. Die genaue nördliche Ausdehnung Grönlands und die Frage, ob es sich um eine Insel oder eine Halbinsel handelte, die mit dem nordamerikanischen Kontinent verbunden war, waren noch nicht endgültig geklärt, obwohl die Inselnatur zunehmend angenommen wurde.
Die Karten von führenden niederländischen Kartographen wie Willem Blaeu, Claes Janszon Visscher und Frederik de Wit zeigten Grönland um 1665 jedenfalls noch nicht vollständig als Insel und nur die südliche und westliche Küstenlinie ist in ihren groben Umrissen erfasst.
Ein bedeutender Einfluss auf die Kartographie des Nordatlantiks im 16. und frühen 17. Jahrhundert ging von der sogenannten Zeno-Karte aus. Diese wurde 1558 von Nicolò Zeno dem Jüngeren veröffentlicht und basierte angeblich auf Reisen seiner Vorfahren, der Brüder Nicolò und Antonio Zeno, im späten 14. Jahrhundert. Die Zeno-Karte zeigte eine Reihe von Phantominseln im Nordatlantik, darunter die prominente Insel “Frisland“, die oft südlich von Island verortet und häufig mit Grönland verwechselt oder als separate Landmasse dargestellt wurde. Viele namhafte Kartographen, einschließlich Gerard Mercator, übernahmen Elemente der Zeno-Karte in ihre eigenen Werke, was zu einer langanhaltenden Verwirrung in der Darstellung der Region führte.
Mag es nun also großer Zufall sein, aber die Darstellung Kirchers für Atlantis kommt der Form Grönlands, wie sie uns heute bekannt ist, tatsächlich deutlich näher, als andere Arbeiten aus dieser Zeit.

bzw. in einer aktuellen wissenschaftlichen Darstellung, in der die Insel gänzlich vom Eis befreit wurde:

Möglicherweise sehen wir hier zwischenzeitlich auch das Resultat einer Auffaltung der Insel, insbesondere im Osten, bzw. einer Stauchung, aufgrund der Aktivität des Mittelatlantischen Rückens, weshalb sie uns heute wohl weniger rund erscheinen könnte, als noch auf der Abbildung Kirchers.
Woher könnte dieser aber die Form Grönlands möglicherweise unbewusst für Atlantis abgeleitet haben? Platon legt die Atlantis-Geschichte in den Mund des Athener Staatsmanns Kritias, der sie wiederum von seinem Urgroßvater Dropides gehört haben will, welcher sie vom berühmten Gesetzgeber Solon überliefert bekam. Solon soll die Geschichte während eines Aufenthalts in Ägypten von Priestern der Stadt Sais im Nildelta erfahren haben. Diese Priester hätten auf sehr alte Aufzeichnungen zurückgegriffen, die von einer frühen Blütezeit Athens und dessen Konflikt mit Atlantis berichteten, Ereignisse, die 9000 Jahre vor Solons Zeit stattgefunden haben sollen. Die ägyptische Göttin Neith, Schutzherrin von Sais, wurde dabei mit der griechischen Athene identifiziert.
Athanasius Kircher hegte tatsächlich ebenfalls eine tiefe Faszination für das alte Ägypten und gilt, trotz der Tatsache, dass seine Versuche, die Hieroglyphen zu entziffern, aus heutiger Sicht als gescheitert betrachtet werden müssen, als einer der Pioniere der Ägyptologie. Die Frage ist sicherlich, ob er seine Darstellung aus älteren Schriften übernommen haben könnte, wenngleich es hierfür bislang noch keine wissenschaftliche Kenntnis darüber zu geben scheint.
Der Mundus Subterraneus mit der Abbildung von Atlantis ist jedenfalls kein reines Fantasiewerk, sondern ein Versuch Kirchers, die Welt seiner Zeit unter Einbeziehung wissenschaftlicher Beobachtungen zu erklären, eingebettet in ein komplexes System aus natürlichen und übernatürlichen Kräften. Die darin enthaltene Atlantis-Karte ist dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil seines umfassenden “Geokosmos”-Modells, das die Erde als einen von unterirdischen Kanälen und Kammern durchzogenen Organismus darstellt. In seinem Modell der Erde spielt Atlantis möglicherweise auch eine wichtige Rolle im System der unterirdischen Wasser- und Feuerkanäle, die Vulkane speisen und Meeresströmungen beeinflussen, was Atlantis zu einem wichtigen Knotenpunkt im globalen System der Erde machen würde, dessen Versinken weitreichende geologische Konsequenzen hatte, die er im Mundus Subterraneus erörtert:
LIBER SECUNDUS TECHNICUS
Die atlantische Insel, von der alle Zeiten einmütig berichten, sei die größte aller Zeiten gewesen – das zeigt sich aus vorherigen Berichten: Wie sie entstanden sei, wann und wie sie unterging, ist so unbekannt wie das, was über ihre Häfen und Städte berichtet wird. Es ist aber sicher, dass die Alten davon erzählen, sie sei sicherlich nicht eine andere Insel als jene, die zu den Kanarischen Inseln, den Azoren, den Flandrischen Inseln und den anderen im Atlantischen Ozean überlieferten Inseln gehörte. (Wie man hier aus der beigefügten Karte erkennen kann.)
Diese jüngst bekannte Insel bestand aus sehr hohen und riesigen Bergen – daher ist es auch wahrscheinlich, dass die höheren Teile der Atlantischen Insel die härteren Bereiche waren; die übrigen tieferliegenden Teile mit niedrigeren Bergen, Tälern und Ebenen hingegen wurden in tieferen Bereichen durch Erdbeben zerstört und sanken schließlich ins Meer.
Einige behaupten, dieses Land sei einst mit Amerika im Westen verbunden gewesen; aber das ist ganz sicher falsch: Denn es hätte dann das Herkules-Säulen-Meer mehr als 90 Grad in fast ganzer Breite überschreiten müssen, was gegen die Absicht verstieße, mit der die terrestrischen Weltteile eingeteilt worden sind. Denn stets war das Meer dazwischen, der Ursprung von Quellen, Flussläufen und anderen natürlichen Wohltaten, die über alles hinaus Naturvorteile geboten hätten, die an Land nicht zu finden sind.Wie viel auch immer über die Innenteile gesagt wird – so viel können nur sehr erfahrene Philosophen sicher sagen: In keiner Hinsicht hätte nur ein einziger Umstand zur vollständigen Zerstörung geführt – sondern nur eine Kombination aus mehreren Ursachen, von denen die Hauptursache unterirdische Feuergeister waren, deren Flammen selbst den atlantischen Ozean erschütterten.
[…]
LIB. II. DE OFFICIO GLOBI TERRENI.Kapitel XII: Über die Berge, die aus dem Meeresgrund aufsteigen
Die Insel, von der wir oben gesprochen haben, verschwand, nachdem sie von einer gewaltigen Menge von Erschütterungen und vulkanischen Ausbrüchen heimgesucht worden war, unter dem Ozean, wie es aus den früheren Aussagen klar wurde. In der Mitte des einst so berühmten Ozeans lag die große Insel, von den Alten Atlantis genannt, die sich in die Breite bis zu fünf oder sechs Tagesreisen erstreckte, in der Länge sogar bis zu zehn.
Zur Erinnerung: „Sie hatte einen Umfang von 3000 Stadien und eine Ausdehnung von 24 Meilen.“Wir haben schon erwähnt, dass sie von hohen Bergen durchzogen war, die die höchsten der Welt waren, und reich an fruchtbaren Tälern und schönen Flüssen. Diese Insel war das Zentrum vieler Völker, die dort siedelten und sich miteinander vermischten.
Aber wie durch Naturgesetze bestimmt, wurde diese Insel, wie auch andere, von einer Reihe katastrophaler Ereignisse getroffen, besonders durch die Feuer des Erdinneren – also durch Erdbeben, Ausbrüche und vulkanische Aktivitäten, die zur Zerstörung führten. Und so wurde das ganze Land erschüttert, senkte sich allmählich, und die Erde verschlang das Gebilde, das zuvor über alle Maßen prächtig gewesen war.
Ein weiteres großes Übel kam hinzu: Gott hatte offenbar beschlossen, den Stolz der Menschheit zu demütigen. Daher ließ er in der Nähe von Atlantis große Gebirge entstehen, die sich plötzlich aus dem Meer erhoben. Diese neuen Gebirge, die man später unter dem Namen der Azoren, Kanaren, Madeiras usw. kannte, entstanden durch denselben unterirdischen Druck, der auch Atlantis vernichtet hatte.
Die philippinischen Inseln, so wird gesagt, sollen einst mit dem asiatischen Festland verbunden gewesen sein. Auch sie wurden durch das gleiche Prinzip getrennt – durch Feuer und Wasser –, was darauf hindeutet, dass unterirdische Kräfte über Jahrtausende hinweg ganze Landmassen versinken oder auftauchen lassen können.
COROLLARIUM
Abschließende Bemerkung zur Insel Atlantis und anderen untergegangenen LändernSo gab es einst Länder, die heute nicht mehr existieren – einst bewohnt und fruchtbar, wurden sie durch göttliche Strafgerichte ausgelöscht. Diese Gegenden, wo einst wilde Tiere und Menschen lebten, sind heute Meeresboden.
Und viele dieser Inseln, die einst tropisch oder mediterran waren, liegen nun im tiefsten Ozean verborgen.
Interessant wäre hier sicherlich irgendwann einmal zu erfahren, ob vielleicht in den zentralen Gebieten Grönlands, auch caldera-ähnliche Strukturen nachweisbar sind, die womöglich von einer vulkanischen Vergangenheit zeugen, auf die Platon und Kirchers Arbeiten zumindest sehr stark hindeuten. Diese könnte durch die Aktivität des mittelatlantischen Rückens tatsächlich heute mehr länglich-oval und weniger kreisrund erscheinen, wie sie wohl sonst zu erwarten wäre. Bis dahin bleibt wohl zunächst die verblüffende Ähnlichkeit zwischen Kichers Atlantisdarstellung mit der heutigen Insel Grönland festzustellen.
Warum hier möglicherweise eine Nordwanderung der Insel stattgefunden haben könnte, wird eventuell in der bereits erwähnten Veröffentlichung von Allan, D.S. und Delair, J.B. beschrieben, auf die hier nochmals verwiesen sein soll: Cataclysm!: Compelling Evidence of a Cosmic Catastrophe in 9500 B.C.→, Rochester: Inner Traditions/Bear, und die durchaus zusammen mit dieser vorliegenden Neuinterpretation der Germania Magna womöglich in einen noch größeren geologischen Kontext eingeordnet werden muss.
zusätzliche Verweise:
Moucha, R., A. M. Forte, D. B. Rowley, J. X. Mitrovica, N. A. Simmons, and S. P. Grand (2009), Deep mantle forces and the uplift of the Colorado Plateau, Geophys. Res. Lett., 36, L19310, doi:10.1029/2009GL039778.
Rocky Mountain – 54th Annual Meeting (May 7–9, 2002), Paper No. 0, UPLIFT AND EROSION OF THE COLORADO PLATEAU AND GRAND CANYON—IMPLICATIONS OF NEW CALCULATIONS OF LARGE-SCALE ROCK UPLIFT, EXHUMATION, AND RIVER INCISION https://gsa.confex.com/gsa/2002RM/webprogram/Paper34342.html
Pederson, Joel & Mackley, Rob & Eddleman, James. (2002). Colorado Plateau uplift and erosion evaluated by GIS. Gsa Today. 12. 10.1130/1052-5173(2002)012<0004:CPUAEE>2.0.CO;2.
How the Colorado Plateau Formed & Rose 8,500 Feet, Youtube: GeologyHub, https://www.youtube.com/watch?v=mPeHP1__tfg
SEYHAN, İsmail (2023) “DIE ENTSTEHUNG DES VULKANISCHEN KAOLINS UND DAS ANDESIT-PROBLEM,” Bulletin of the Mineral Research and Exploration: Vol. 1971: Iss. 76, Article 6.
Greenland Fantasies, by Matthew H. Birkhold, https://origins.osu.edu/read/greenland-sovereignty-denmark, zuletzt abgerufen am 01.06.2025 (Internet Archive)
The World of the Ovide Moralisé: Texts and Contexts: Plato’s Myth of Atlantis, https://openbooks.library.baylor.edu/theworldoftheovidemoralise/chapter/platos-myth-of-atlantis/, zuletzt abgerufen am 01.06.2025 (Internet Archive)
The Online Library of Liberty, Plato: Dialogues, vol. 3 – Republic, Times, Critias (https://oll-resources.s3.us-east-2.amazonaws.com/oll3/store/titles/767/Plato_0131-03_EBk_v6.0.pdf), zuletzt abgerufen am 01.06.2025 (Internet Archive)
Senses Atlas: Mundus Subterraneus, Athanasius Kircher, https://www.sensesatlas.com/mundus-subterraneus-athanasius-kircher, zuletzt abgerufen am 01.06.2025 (Internet Archive)
Mundus Subterraneus, in XII libros digestus; quo divinum subterrestris mundi opificium, mira ergasteriorum naturæ in eo distributio, verbo pantámorphou Protei regnum, universæ denique naturæ majestas, 1665, (Internet Archive)
Zur Wahrung wissenschaftlicher Standards wurden fragwürdige Belegstellen, etwa zur Grönland-These, soweit möglich auf Primärquellen zurückgeführt. Dennoch erscheint im Rahmen dieser Untersuchung auch die Einbeziehung von Sekundärquellen notwendig, da viele antike oder vormoderne Weltbilder durch eben solche Tradierung überliefert wurden – sei es durch mündliche Überlieferung, spekulative Deutungen oder populäre Mythisierungen wie Atlantis.
Die dadurch erschwerte wissenschaftliche Einordnung soll nicht vom Ziel ablenken, ein seriöses geodynamisches Modell zur antiken Erdgestalt bzw. zur antiken und mittelalterlichen Vorstellung darüber zu erarbeiten, das auch für spätere Kartenwerke grundlegend war, bzw. als Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit vieler Gelehrter diente.
Im Rahmen einer Recherche zu dem hypothetischen Himmelskörper Nibiru wurde die hier diskutierte Hypothese, wonach Grönland mit Atlantis identisch sein könnte, ursprünglich auf der Website Atlantisforschung.de aufgefunden, welche in der akademischen Forschung jedoch nicht als zuverlässige Quelle angesehen wird, bzw. widersprechen die Inhalte unter Umständen teilweise oder ganz der gültigen akademischen Lehrmeinung.
Die zugrunde liegende Idee lässt sich jedoch auf frühere Überlegungen von François de La Mothe le Vayer sowie auf spätere Ausarbeitungen durch die Atlantisforscher Harry Dale Huffman und Mario Dantas zurückführen. Die vorliegende Arbeit bezieht sich daher auf diese Primärquellen, um die wissenschaftliche Integrität zu wahren.
